„Eine volle Stadionrunde in knapp mehr als 45 Sekunden. ‚Der Thorben hat halt Talent und trainiert ein bisschen‘, denken vermutlich viele. Die Realität in Zahlen: 17 Jahre Vorbereitung, 9 Einheiten und rund 20 Stunden Leistungssport pro Woche. Natürlich fängt man mit fünf Jahren nicht mit diesem Pensum an. Aber der Aufwand lässt sich nicht mit ein paar Wochen Vorbereitung erklären – ich trainiere im Grunde mein ganzes Leben dafür.“
Was dabei oft völlig übersehen wird, ist alles, was abseits von Trainingsplatz und Wettkampf anfällt. Social Media will bespielt werden, Fotos und Videos entstehen nicht von allein, und dahinter steckt eigene Planung und Zeit. Dazu kommt die Buchhaltung: Rechnungen für Sponsoren, Belege für Förderungen, alles muss sauber dokumentiert sein. Wettkämpfe organisieren sich ebenfalls nicht von selbst, Anmeldungen, Reiseplanung, Unterkünfte und Absprachen mit Trainer und Verband nehmen regelmäßig mehrere Stunden in der Woche in Anspruch. Jede Trainingseinheit wird zudem protokolliert, damit Fortschritt und Belastung nachvollziehbar bleiben. Und dann sind da noch die Telefonate mit Vereinen, mit Sponsoren, mit allen, die irgendwie Teil dieses Weges sind. All das läuft nebenbei mit, wird aber selten mitgedacht, wenn andere nur die Trainingszeiten sehen.
Wie so ein Alltag konkret aussieht, wissen die wenigsten. Ich stehe meist gegen 7 Uhr auf. Montags, mittwochs und freitags folgt am Vormittag die erste Trainingseinheit, am frühen Nachmittag kommt von Montag bis Freitag jeden Tag die zweite Session dazu. Am Samstagmorgen steht noch ein weiterer Durchgang auf dem Plan, bevor das Wochenende überhaupt richtig beginnt. Dazwischen liegt aber nicht einfach Freizeit. Ein großer Teil der Zeit geht für Regeneration drauf: die richtige Ernährung, Anwendungen wie Lymphomat oder Eisbad, damit der Körper rechtzeitig wieder fit für die nächste Einheit ist. Auch Schlaf spielt für mich eine große Rolle. Ich achte konsequent darauf, guten Schlaf und genügend Ruhe zu bekommen, denn mit steigendem Niveau wird Regeneration fast noch wichtiger als das Training selbst, die Anforderungen wachsen dort mindestens genauso stark. Erst wer das mitdenkt, versteht, warum ein Trainingstag selten wirklich endet, wenn die letzte Einheit vorbei ist.
Dazu kommt der Aufwand fürs Reisen. Allein dieses Jahr war ich in elf unterschiedlichen Ländern und mehr als zwölf Wochen im Ausland unterwegs, viele davon an Wochenenden, die eigentlich Erholung bedeuten sollten. Der Grund dafür ist simpel: Wichtige Weltranglistenpunkte gibt es meist nur bei internationalen Wettkämpfen. Wer vorne mitspielen will, kommt also gar nicht darum herum, einen großen Teil des Jahres unterwegs zu sein statt zu Hause zu trainieren und sich auszuruhen.
Parallel dazu studiere ich Sportmanagement an der IST Hochschule für Management. Nicht, weil neben dem Sport noch Zeit übrig wäre, sondern weil ich weiß, dass ich im Gegensatz zu einem Fußballer mit dem Sport allein nicht ausgesorgt habe. Diese Realität prägt meinen Alltag mindestens genauso wie das Training selbst.
Glücklicherweise kann ich sagen, dass der Sport meine große Leidenschaft ist. Mich zum Training zu motivieren, ist mir eigentlich nie schwergefallen, aufgeben wollte ich deswegen auch nie ernsthaft. Mit dem gestiegenen Niveau und den größer werdenden Zielen wachsen auch die Anforderungen. Hartes Training und der Umgang mit Schmerzen machen nicht immer Spaß, vor allem, wenn bei großen Wettkämpfen abgewogen werden muss, wie viel Risiko vertretbar ist. Wichtig ist es dabei, auf den eigenen Körper zu hören und ihn wirklich kennenzulernen. Bisher hat mich mein Körper in solchen Situationen stets den richtigen Weg finden lassen, und ich kann mich glücklich schätzen, ein Team an meiner Seite zu haben, mit dem ich solche Entscheidungen gemeinsam durchstehe und mich beraten kann. Alltag, Wochenenden, Ernährung und letztlich der eigene Charakter passen sich dem Sport an, nicht andersherum.
Mit diesem Artikel möchte ich zeigen, wie viel Aufwand hinter Leistungen steckt, die von außen oft nur als eine einzelne Zahl auf der Stoppuhr wahrgenommen werden.

Foto: Stefan Mayer